Einladung zum Gottesdienst am Israelsonntag

31.8.2025

Ingo Hessenius

Liebe Gemeinde, das Wetter hat mitgespielt: erstmals hat heute Pfarrerin Elke Smidt-Kulla zwei Kinder in der Erft getauft. Es war ein schöner und bewegender Gottesdienst. Am nächsten ...

Liebe Gemeinde,

das Wetter hat mitgespielt: erstmals hat heute Pfarrerin Elke Smidt-Kulla zwei Kinder in der Erft getauft. Es war ein schöner und bewegender Gottesdienst.

Am nächsten Sonntag, dem

Israelsonntag am 7. September,

findet der Gottesdienst um 10 Uhr in unserer Kirche statt.

Israel – ein von Konflikten gebeuteltes Land. Eine grauenvolle Geschichte, die Deutschland und Israel trennt und verbindet. Israel – Ursprung des Christentums, verachtet und idealisiert, bewundert und verfolgt.

All diese Facetten spielen am „Israelsonntag“ eine Rolle, erst recht nach dem unvorstellbar grausamen Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 und der nicht enden wollenden brutalen Antwort Israels gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza und in der Westbank.

Der Israelsonntag erinnert seit dem 16. Jahrhundert an den Gedenktag der Zerstörungen des Jerusalemer Tempels. Doch während in der Vergangenheit die Überlegenheit des Christentums demonstriert wurde, stehen heute die Trauer über das Unrecht, das den Juden angetan wurde, sowie die heutigen guten Beziehungen zwischen Juden- und Christentum im Vordergrund. So kann der Israelsonntag auf zwei verschiedene Weisen begangen werden: Als Bußtag, als Gedenktag der Zerstörung Jerusalems oder als Tag der Besinnung auf die Verbundenheit zwischen der Kirche und Israel. Ich habe mich am Israelsonntag seit vielen Jahren auf den zweiten Aspekt des Israelsonntags bezogen, auf unser Verhältnis als christliche Gemeinde zu Israel, und will das auch in diesem Jahr tun. Vieles von dem, was Jesus gelehrt hat, ist nur aus dem Judentum zu verstehen. Das Volk Israel spielt eine herausragende Rolle in der Geschichte Gottes mit den Menschen. Und auch wenn wir nicht wissen, was Gottes Plan mit den beiden Religionen ist, so bleibt Israel doch Gottes auserwähltes Volk.

Diese Erwählung des Gottesvolkes Israel war für Christinnen und Christen an allen Orten und zu allen Zeiten ein Stolperstein. Die Vorstellung, dass neben der Kirche Jesu Christi das erwählte Gottesvolk leben könnte, dem Gott die Treue hält, war offenbar schwer zu ertragen. Und so entwarfen die Christen die Idee, dass diese Erwählung auf die Kirche übergegangen sei. Eine Folge davon war der Antijudaismus. Juden wurden gerade auch von den Kirchen gesellschaftlich an den Rand gedrängt und verfolgt. Sie wurden als „Christusmörder“ bezeichnet, mit dem „Verräter Judas“ als Ahnherrn identifiziert. So trug unsere Kirche wesentlich zum wachsenden Antisemitismus in unserem Land bei und so schließlich auch zur Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten.

Erst nach der Shoah begann im christlich-jüdischen Gespräch langsam ein christlicher Lernprozess. Bis unsere Kirche schließlich bekennen konnte:

»Aus Blindheit und Schuld zur Umkehr gerufen, bezeugen wir neu die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen. Das Bekenntnis zu Jesus Christus schließt dieses Zeugnis ein.«

An Israelsonntag 2025 steht genau das im Mittelpunkt, das Verhältnis und die bleibende Verbindung zwischen Christentum und Judentum. Eine herzliche Einladung zu diesem Gottesdienst!

Ihr Armin Reichert