Hilfe und Seelsorge

 

Seelsorgekonzeption

Was sind für uns die theologischen Grundlagen für Seelsorge in Bad Münstereifel?
Was verstehen wir unter Seelsorge?

Seelsorge geschieht in der Evangelischen Kirchengemeinde  Bad Münstereifel aufgrund des Wunsches nach Zusammenhalt ( Gemeindekonzeption hat als Ziel „Heimat geben“ in der Diasporasituation) und Interesse am Nächsten. Motivation ist dabei Gottes Zuwendung zu uns, die wir in Wort und Tat weitergeben wollen.Seelsorge bedeutet Menschen mit dem Evangelium in Wort und Tat in Berührung bringen. Seelsorge in Bad Münstereifel soll sich an der biblischen Geschichte von den Emmausjüngern (Lk 24, 13-35) orientieren, ähnlich wie das sogenannte Celler Modell. Der Seelsorgende versteht sich dann als Begleitung, als empathisch  Mitgehender,  dessen Ziel es ist, Trost und Hoffnung zu geben, damit das Gegenüber eigenständig weiter gehen kann. Motiv für unsere Seelsorgearbeit ist also die Emmausjüngerschaft. Wir  selbst sind wie die Jünger, die Jesus auf dem Weg nach Emmaus begegnet  sind, und die beglückt und verwandelt zurückkehren an den Ort des Leids,  um den anderen, die noch im Leid sind, etwas von ihrer (durch Christus  bekommenen) Freude und Kraft abzugeben. Jesu Handeln auf dem Weg nach Emmaus, seine Empathie, ist dabei Vorbild  und Anleitung bei der seelsorgerlichen Begegnung. Wir sind nicht Jesus,  orientieren uns aber an seinem Handeln für unser eigenes Handeln. In diesem Zusammenhang spielt für uns auch Jesu Rede vom Weltgericht  (Matthäus 25, 31-46) eine Rolle. Was wir dem geringsten Nächsten tun,  tun wir auch Christus.

Seelsorge soll deshalb nicht nur durch Hauptamtliche, sondern auch durch ehrenamtlich Tätige geschehen. Seelsorge geschieht nicht nur geplant, sondern auch zufällig. Dabei sind folgende Situationen zu unterscheiden: Wurde der Seelsorger vom Hilfesuchenden aufgesucht oder suchte der Seelsorger  den Hilfesuchenden auf oder haben sich beide zufällig getroffen, woraus eine seelsorgerliche Situation entstanden ist?

Wer betreibt bei uns Seelsorge?

Zwei seelsorgende Personengruppen sind in unserer Seelsorge zu unterscheiden:
Ehrenamtlich Tätige (mit und ohne spezielle Qualifikation), hauptamtlich Tätige (beruflich ausgebildete Seelsorger). Es gibt dabei zwei Ebenen der Seelsorge:

  • Nummer 1:
    der jeweilige Seelsorger reicht als kompetenter Begleiter/Ansprechpartner aus,
  • Nummer 2:
    die Situation des Gegenübers  ist kompliziert und benötigt außer der Seelsorge professionelle Hilfe aus einem anderen Bereich ( Psychiatrie, Diakonie, etc).  Seelsorgende müssen also ihre eigenen Grenzen erkennen und gegebenenfalls weiterverweisen oder selbst Hilfe zum Verarbeiten des Erlebten suchen.

Was sindKrisensituationen?

  • Eltern/ Kind/ Erziehungsproblematik
  • Ehe/ Partnerschaftsprobleme, Trennung
  • Tod, Trauer
  • Krankheit
  • Sucht
  • Armut, Schulden
  • Missbrauch
  • Seelische Überlastung (nicht mehr weiterwissen/-können)
  • Sinnkrise  (durch Arbeitslosigkeit, Alter, Scheitern etc)

Ein Seelsorgegespräch allein kann in Krisen schon hilfreich sein, aber es sollte auch immer die Möglichkeit im Blick bleiben, an entsprechende seriöse Anbieter praktischer Hilfen weiterzuschicken.

Unser Menschenbild in der Seelsorge:

„Der Mensch ist ein Wesen, das nach Sinn sucht.“

Jeder Mensch ist auf der Suche nach (Lebens-) Sinn. Durch Extremsituationen (Leiderfahrungen) verstärkt sich die Sinnsuche. Seelsorge kümmert sich um den Teil im Menschen, der bei seiner Sinnsuche nach Transzendenz (Gott) sucht. Seelsorge hat dabei keine fertigen Antworten, sondern ist individuelle Begleitung, die sich am Einzelnen und seinen Fragen orientiert. Seelsorgende könnten sich als eine Art Geburtshelfer verstehen, um dem Gegenüber zu helfen, eigene Antworten auf die Sinnfrage zu finden. Dabei kann/ darf der Seelsorger sich und seine eigenen Erfahrungen einbringen. Diese müssen dem Gegenüber allerdings klar als Deutungsmuster und Angebot des Seel- sorgenden und nicht als aufgezwungene „ewige Wahrheit“ erkennbar sein.

Seelsorge geschieht immer in einem Dreieck: Ich-Du-Gott Gott ist immer dabei in der Seelsorge, – auch wenn er im seelsorgerlichen Gespräch nicht unbedingt thematisiert werden muss. Der Seelsorger ist Bürge für gute Erfahrungen mit Gott, die er im seelsorgerlichen Gespräch einbringen kann.

Basis allen seelsorgerlichen Wirkens ist der christliche Glaube auf der Grundlage des Evangeliums.

Wenn Seelsorge Menschen mit dem Evangelium in Berührung bringen will, ist sie nicht erst dann ein Anliegen, wenn eine Krise schon da ist. Das bedeutet, dass wir uns neben der Seelsorge in Notsituationen auch dafür einsetzen, dass in der Gemeinde ein trag- fähiges Beziehungsnetz wachsen kann und Möglichkeiten angeboten werden, die das geistliche Wachstum fördern. Seelsorge ist dann in der Kirchengemeinde auf drei Ebenen gefordert:

  1. Beziehungen aufbauen und pflegen
  2. Geistliches Wachstum fördern
  3. Lebens- und Glaubenshilfe in Krisensituationen

Angebot der Seelsorge – konkret: Bestand
  1. Beziehungen aufbauen und pflegen
    Wenn Menschen mit dem Evangelium in Wort und Tat in Kontakt kommen sollen, braucht es ein tragfähiges Beziehungsnetz. Aus diesem Grund legt die Evangelische Kirchengemeinde Wert auf Angebote, die den Aufbau und die Pflege von Beziehungen fördern. So versuchen wir unsere Beziehungen untereinander zu fördern durch

    1. Kontaktangebote innerhalb der Gemeinde: Kaffee nach Sonntagsgottesdienst, Wandertage, Ausstellungsbesuche „Kultur und mehr“, Filmdinner, Gemeindefrühstück, Offener  Frühstückstreff, Suppensonntag, Gemeindefeste, Dankeschönkaffee für Monatsbriefverteilende
    2. Gruppenangebote für Gruppen mit überwiegend festem Stamm: Ökumenischer Kochkreis (ÖKK), Seniorenkreis (Frauenhilfe), Kindergruppen, Spielstube für Eltern mit kleinen Kindern, Nähgruppe
    3. Aufgabenorientierte Gruppenangebote: Kindergottesdienstvorbereitungskreis, Jugendarbeit (Betreuertreff), Monatsbriefkreis, Ökumenischer Chilekreis
    4. Beziehungspflegende Gruppen: Besuchsdienste
      • Geburtstagsbesuche ab 70
      • Besuche bei Jubiläumspaaren (Jubiläumstrauungen)
      • Begrüßung von Neuzugezogenen
      • Kasualbesuche
      • Altenheimbesuche
  2. Geistliches Wachstum fördern
    Für die Seele sorgen kann man so deuten: geistlich zu wachsen, sich mit biblischen Themen und Christsein im Alltag auseinander zu setzen und das Glaubensleben zu pflegen. Das bieten wir an:

    • im ökumenischen Bibelgesprächskreis
    • in den verschiedenen Gottesdiensten (Sonntags-, Kinder-, Schul-, Altenheim-, Kasualgottesdienste)
    • bei Bildungs- und Begegnungsangeboten für ehrenamtlich Seelsorgende
    • im Konfirmandenunterricht
    • bei Kontaktstunden in Schulen
    • bei einem Besuch in unserer offenen Kirche in der Langenhecke 33
  3. Lebens- und Glaubenshilfe in Krisensituationen
    • Seelsorgerliches Gespräch
      In schwerwiegenden Lebenssituationen (Trauer, Arbeitslosigkeit, Beziehungskrisen, Glaubenskrisen, gesundheitliche Probleme, Probleme am Arbeitsplatz etc.) kann ein Gespräch mit einer Vertrauensperson eine wertvolle Hilfe sein, um einen Weg für den Umgang mit einer aktuellen Krise zu finden. Wer ein vertrauliches Gespräch mit einem Seelsorger wünscht, wendet sich am besten an einen der Pfarrer und vereinbart das weitere Vorgehen.
    • Seelsorge in Notfällen
      In Notfällen, in denen möglichst rasch seelsorgerliche Unterstützung gefordert ist (z.B. bei einem Todesfall, nach einem schweren Unfall, bei Suizidgedanken oder –versuch, für die Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen etc.) wendet man sich über Telefon ans Gemeindebüro und/oder Pfarrer.
    • Kranken- und Heimbesuche durch Seelsorger
      Wer bei einer schweren Krankheit, während oder nach einem Krankenhausaufenthalt den Besuch des Ortspfarrers für ein seelsorgerliches Gespräch oder eine Kasualhandlung wünscht, gibt diesen Wunsch über die jeweiligen Heimleitungen oder Krankenhaus- seelsorgenden weiter oder ruft direkt das Gemeindebüro an.